Frühaufstehertexte: Morgenkater

Morgenkater | schokotexte.de

 

Es ist eigentlich gar nicht meine Zeit. Der Montagmorgen-Autoverkehr braust draußen trotzdem schon über die nahe Hauptstraße. Heute habe ich es getan: Lange schon hatte ich vor, mal morgens das Schreiben zu probieren. Und wie oft wache ich morgens vor dem Wecker auf, drehe mich -zigmal um, versuche wieder einzuschlafen. Schiebe Gedanken von A nach B. Kopfkino galore! Bringt natürlich gar nichts. Trotzdem bleibe ich liegen in der Hoffnung, doch noch etwas Schlaf zu bekommen.

Heute nicht. Naja, doch: zuerst schon. Aber dann plingte wieder dieser Gedanke auf: Steh doch auf und schreib.

Vielleicht bin ich heute morgen einfach wacher. Habe gestern nämlich tatsächlich mal ausgeschlafen! Das mache ich gar nicht mehr. Früher, ja früher. Heute beobachten wir eher grinsend die Teenager, die sich mittags aus dem Bett quälen. Und haben da schon das Frühstück und den Wochenendeinkauf erledigt.

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Heute dagegen war ich noch vor dem Kater wach, der noch gestern Morgen das „Klagekonzert der noch nie im Leben gefütterten Katze“ angestimmt hatte. Heute hopste er verwundert und verschlafen von der gemütlichen Wolldecke in seiner Kommodenecke und war ganz aufgeregt. Inzwischen hat er seinen Kuschelplatz in meinem Arm gefunden.

Ich sitze also hier und versuche meine Augen zu überreden, das Bild scharf zu stellen. Notiz an mich selbst: Mal wieder zum Optiker gehen. Diese verd—– „Altersweitsichtigkeit“ (aaaah, allein dieses Wort!) nimmt echt zu. Heißt: Die Schrift auf dem Bildschirm wird immer unschärfer. Böse.

Themen, ich muss darf kann möchte Themen finden. Aber brauche ich das? Fließen lassen, einfach so. Ins Blaue hinein schreiben. Schauen, was der Tagesbeginn mit mir macht, noch bevor E-Mails geladen werden oder Social Media Profile Neuigkeiten in den Kopf spülen. Oder, und das ist fast die größte „Gefahr“: bevor das Kopfkino weiter sendet. Montag morgen, was steht heute an, welche Termine, welche Aufgaben hält der Job bereit, habe ich heute Abend noch etwas vor?

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Der Kater schnurrt und gurrt in meinem Arm – und seufzt tief. Entspannen. Ommm. Kein Kopfkino. Einfach den Moment genießen. Sich mal locker machen. Warum kann ich das so schlecht? Gestern, apropos locker, stand ich endlich mal wieder da, um Sport zu machen. Meine Lieblingsvorturnerin hatte neue Kurse online, und ich versuchte mich an ihrem Rückenyoga. Ganz gut, aber ich kam mir unglaublich ungelenkig vor, als es zwischendrin eine ganze Sequenz aus Figuren gab, von denen ich bestenfalls mal gehört hatte.

Es zieht von rechts, vom Fenster. Ich lege mir erst mal eine Decke um die Schultern. In acht Minuten klingelt mein Wecker. Der Kater springt auf und wird langsam ungeduldig, er möchte sein Fressen endlich bekommen. Ja, gleich.

Also, Zeit für ein Fazit: Eigentlich mag ich das hier. Es stresst nicht, weil es kein Thema braucht und einfach laufen darf. Schaffe ich das öfter? Keine Ahnung – aber keinen Druck aufbauen. Andererseits bin ich – und das merke ich immer stärker – auch ein Gewohnheitstier. Gestern las ich, man könnte Gewohnheiten innerhalb von drei Wochen ändern bzw. neue Routinen in dieser Zeit einführen. So lange braucht das Gehirn mindestens, um sich darauf einzustellen. Ich darf also nicht enttäuscht sein, wenn ich morgen noch nicht die coole Frühaufsteherin bin…

Es surrt neben mir. Snooze! Sitz! Also dann: auf Wiedersehen, Morgentext, ich entlasse dich jetzt. Und springe ab in die Dusche und auf in einen neuen Tag!

 

 

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