Isabel Allende: Mayas Tagebuch

Isabel Allendes neuestes Buch nimmt uns mit in eine abgelegene Landschaft: Chiloé, ein im Süden Chiles gelegenes Insel- und Naturparkgebiet, in das sich bestenfalls einzelne Touristen verirren, um schamanische Praktiken zu bestaunen.

Hierhin kommt die 19jährige Maya Vidal eines Tages – mehr oder weniger unfreiwillig, denn sie stammt aus Kalifornien und hat außer der Tatsache, dass ihre Großmutter aus Chile stammt, keinen weiteren Bezug zum Land. Maya hat allerdings eine sehr bewegte Vergangenheit, die die Autorin sie in Form eines Tagebuchs erzählen lässt.

Während ihre Mutter Maya im Alter von nur wenigen Wochen bei den Eltern ihres Mannes abgibt und aus dem Leben der kleinen Tochter verschwindet, ist der Vater, als Flugkapitän ständig unterwegs, ebenfalls nicht sonderlich interessiert an der Kleinen. Immerhin besucht er sie, sobald es sein Dienstplan und seine Affären mit Frauen zulassen, bei seinen Eltern.

Hier wächst Maya auf, bei der sehr renitenten, aber durchsetzungsstarken Großmutter, und ihrem „Pop“, dem zweiten Mann der Großmutter. Für Maya ist der farbige Mann mit der Goldbrille, der Astronomieprofessor an der Universität ist, die zentrale Figur in ihrem Leben. Als er stirbt, ist Maya ein Teenager und kann den Verlust nicht verkraften. Sie gerät auf die schiefe Bahn, hat Schulprobleme und kommt schließlich in ein Internat für schwer erziehbare Kinder in Oregon.

Nach einiger Zeit gelingt die Flucht, und erst hier wird deutlich, wie die schiefe Bahn immer schiefer werden kann: Missbrauch, erst sanfte Drogen, ein Job als Drogenkurier und immer tiefere Verwicklungen um kriminellen Bereich ziehen Maya innerhalb kürzester Zeit weiter nach unten.
Als sie irgendwann obdachlos wird, realisiert sie ihre Alkohol- und Drogenabhängigkeit, aber es ist zu spät. Sie wird von Kriminellen gesucht, und nur ein Wunder kann sie noch retten.

Aber es geschieht: ihre Großmutter schickt sie nach dem Entzug schließlich in die vermeintlich sichere Abgeschiedenheit von Chiles Süden. Hier beginnt Maya ein neues Leben – mit nur 19 Jahren.
Die Ich-Erzählerin berichtet immer abwechselnd von ihren Erlebnissen in Chiloé und den Vorkommnissen der Vergangenheit. Dieses Stilmittel macht das Buch lesenswert und spannend, beide Stränge sind kunstvoll verknüpft und treffen sich am Ende auch.

Leider viel zu spät habe ich Isabel Allende entdeckt, eine Autorin, die mich schon mit ihrem letzten Buch „Die Insel unter dem Meer„, einem historischen Roman, sehr begeistert hat. Es lohnt sich also sehr, einzusteigen – und gerade dieses Buch, mit dem Allende wieder Bezug zu ihren eigenen Wurzeln in Chile nimmt, empfehle ich gerne!

Isabel Allende: Mayas Tagebuch. Suhrkamp 2012.

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