Der Morgenstern

Stern

 

Dunkle Nacht. Schlaflos drehe ich mich immer wieder um. Zu viele Gedanken gehen mir durch den Kopf, ich kann nicht weiter schlafen. Morgen muss ich unbedingt den Kuchen mitnehmen, wenn ich zu meinen Eltern fahre. Und den Weihnachtbrief schreiben. Was liegt am Montag im Büro noch an?

Als ich die Augen kurz schließe, blinzelt er mich an, der Stern. Habe ich doch wieder geschlafen? Das Lied kommt mir in den Sinn: Das Lied, das mich seit meiner Jugend in der Adventszeit begleitet:

„Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern,
so sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern!
Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein:
Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.“
(EG 16)

Warum mich das Lied damals berührte und seitdem immer wieder anrührt, erinnere ich gar nicht mehr. Vermutlich war ich nachts nach einem schlechten Traum aufgewacht. Wahrscheinlich sangen wir am Sonntag dann dieses Lied im Gottesdienst. Ich weiß nur, dass ich dachte: Ja, genau so war es. Was für eine schreckliche Nacht, und was für ein tröstendes Lied! Alle Sorgen fielen von mir ab, weil ich diesen Stern über mir spüren konnte. Continue reading Der Morgenstern

Wien: Das Kaffeehaus

Kaffeehaus | schokotexte.de

 

Für norddeutsche Ohren klingt es wie „Bieddte?“, wenn der Ober die Eintretenden im Kaffeehaus sofort diensteinfrig begrüßt, sich dabei nur ganz leicht angedeutet verbeugt. Stammgäste dagegen erhalten nur ein Kopfnicken. Sie lassen sich an ihrem gewohnten Platz nieder, klauben sich die Tageszeitung vom riesigen Stapel und vertiefen sich dann in die Lektüre. Beiläufig ordern sie irgendwann „Eine Melange!“ oder „Einen Apfelstrudel!“.

Das Kaffeehaus: ein Grundrauschen. Das Murmeln der Gespräche, Geschirrklappern, dazwischen immer wieder das „Bitte?“ des Obers. „Ham’s net resaviad? Na, wir san voll, bitte!“, heißt es dann. Kaffeeduft zieht durch den Gastraum.

Kaffeehaus | schokotexte.deDraußen Schnürlregen. Ein Fiaker mit sorgsam heruntergezogenem Verdeck klappert über die Kopfsteingasse. Kragen werden hochgeklappt, Schirme gegriffen und Schals umgeworden, als die kleine Gruppe das Kaffeehaus verlässt. Der Ober säubert rasch und routiniert den Tisch, seine Fliege sitzt tadellos. Rasche Blicke über die anderen Gäste, ob jemand noch Wünsche hat: „Bitte? A Melange, sehr gern!“

Die Melange ist nicht so gut. Aber das macht nichts. Die entspannte Stimmung lässt die Besucher den Alltag draußen vergessen und die Auszeit genießen.

Sitze ich eigentlich auf einem Stammplatz, frage ich mich plötzlich. Ein Herr mustert mich beim Eintreten und schreitet dann wie selbstverständlich nach hinten weiter, der Ober nickt ihm zu. Mein Platz ist ein Zweitisch, mit grünbraunem Plüschsofa, das seine besten Jahre schon um Jahrzehnte überschritten hat. Ich spüre eine Sprungfeder und denke: Gemütlich.

Die Uhr tickt leise. Die Zeitung am Nebentisch raschelt. Ein Löffel klirrt. Die Tür öffnet sich. „Bitte?“

 

 

Ernährungsdinge

Ernährung | schokotexte.de

Ein Thema, das zugegebenermaßen nicht oft hier vorkam, ist Ernährung. Ich esse halt. Und achte auch darauf, was – gefühlt allerdings zu selten oder zu unregelmäßig. Mal sehen, ob es sich ändern könnte…

Vor – ups! – acht Jahren gab es eine Phase in meinem Leben, die vieles auf den Kopf stellte. Meine geliebte Oma starb, außerdem auch überraschend eine Bekannte – und ich musste auch meine Herzenskatze Flocke gehen lassen. Dieses Jahr war also viel zu verarbeiten, und das merkte auch mein Magen. Er hatte viel zu tun, und ich hatte Magenbeschwerden. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie es im einzelnen war, aber ich aß dadurch eine Zeit lang quasi Schonkost. Ich las viel zum Thema Ernährung, mied Süßes, trieb regelmäßig Sport (super, wenn man im Fitnessstudio fast anfängt zu heulen vor Trauer!) und stellte dann meine Ernährung um. Möglichst Vollkorn. Continue reading Ernährungsdinge

{Lesetipp} Hamburg: Der Trümmermörder

Trümmermörder | schokotexte.de

 

Eiskalt. Wochenlang, monatelang. Im später sogenannten „Hungerwinter“ 1946/47 stand das Thermometer lange wie nie im Minusbereich. Die Menschen, die den Krieg überlebt hatten, froren und hungerten. Weder genug zu Essen noch ausreichend Heizmaterial: Die Züge und Schiffe kamen aufgrund der Kälte nicht mehr durch.

In diesem eisigen Winter Anfang 1947 spielt der erste der drei Kriminalromane von Cay Rademacher: „Der Trümmermörder“ schlägt zu und hinterlässt seine Opfer nackt auf Trümmergrundstücken. Und davon hat Hamburg leider genug: Ganze Stadtteile waren durch die englischen Flächenbombardements, besonders im Sommer 1943, zerstört worden. Nichts steht mehr, Straßenzüge sind komplett verwüstet und unter Schutt begraben. Man beginnt gerade erst mit der Räumung, aber es ist mühsam und aufwändig. Continue reading {Lesetipp} Hamburg: Der Trümmermörder

Hamburg: Die Jahrhundert-Trilogie

Jahrhundert-Trilogie | schokotexte.de

 

Als ich vor einigen Wochen in einer Buchhandlung stöberte, stieß ich – fast beim Weggehen – noch auf die „Töchter einer neuen Zeit“ von Carmen Korn. Ich überflog den Klappentext und kaufte das Buch kurzentschlossen. Bereits in den Wochen zuvor hatte ich andere historische Romane aus den 1920er Jahren verschlungen. Also genau mein „Beuteschema“! 

Eigentlich las ich gerade noch eine ganz andere Buchreihe, nämlich die historischen Berlinkrimis von Volker Kutscher. Sie spielen in den Jahren 1929 bis 1934, eine unheilvolle Zeit. Dank Kutschers eindrücklichem Erzählstil und den sehr in die Tiefe gehenden Schilderungen der aufkommenden und beginnenden NS-Zeit fesselten sie mich sehr, und ich beschäftigte mich viel mit den Themen der Zeit.

Die „Töchter einer neuen Zeit“ lagen also noch ein oder zwei Wochen, bis ich Volker Kutschers bisher letzten Band real und im Kopf beendet hatte. Die Bücher sind echt schwere Kost, weil man natürlich weiß, was alles noch kommen wird und dass die Nazis eben nicht 1935 ‚kein Thema mehr‘ gewesen sein werden. Continue reading Hamburg: Die Jahrhundert-Trilogie

Erholung jetzt, aber zackig!

Urlaub | schokotexte.de

 

„Schatz, wir sind schon den sechsten Tag im Urlaub und ich bin immer noch nicht erholt!“, sage ich missgelaunt und weise anklagend auf das heutige Kalenderblatt.

Der Mann blickt von seinem Buch auf – er liest sonst fast nie Romane, nur im Urlaub. Sein bereits sonnengebräuntes Gesicht verzieht sich zu einem freundlichen Grinsen. „Alles gut. Entspann dich. Wir haben noch mehr als die Häfte unseres Urlaubs vor uns!“ Damit vertieft er sich wieder in seine Lektüre.

Ich grummle unzufrieden vor mich hin. Natürlich erwarte ich vom Urlaub, dass er sofort Wirkung zeigt, ist ja klar. Und von mir, sofort abzuschalten, das Leben zu genießen und zu entspannen. Ich will mich erholen! Das klappt aber leider nicht auf Knopfdruck. Continue reading Erholung jetzt, aber zackig!

Leo Berlin: Krimis im Miljöh der 1920er Jahre

Leo Berlin | schokotexte.de

Ich bin ein bisschen verliebt in Leo: Der Kommissar der Berliner Polizei ist gut aussehend, charmant, eloquent und ein effektiver Ermittler. Allerdings lebt er zu einer anderen Zeit, nämlich in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts.

Wir lernten uns letztes Wochenende in Berlin kennen: Ich bummelte durch eine große Buchhandlung und erblickte die Buchreihe mit Kommissar Leo Wechsler. Der Titel „Es geschah in Schöneberg“ sprang mir ins Auge – da habe ich eine Zeit lang gewohnt, und ein Krimi, der dort spielt? Das klang spannend. Beim Lesen des Klappentextes stellte ich allerdings fest: dieser Band ist Folge Nummer fünf. Ich griff zum ersten Band, „Leo Berlin“ – auch die Beschreibung hörte sich gut an. Also los! Continue reading Leo Berlin: Krimis im Miljöh der 1920er Jahre

Frühaufstehertexte: Sonne

Baum / schokotexte.de

Der starke Regen hat sich plötzlich doch verzogen und der Himmel wölbt sich strahlend blau, als ich losgehe. Die Vögel singen, es liegt tatsächlich das Gefühl von Frühling in der Luft. Dazu der intensive Duft von Tannen und Regenfeuchte.

Als ich so durch die Straße laufe, muss ich feststellen: Unser Garten scheint ein Ausnahmeterritorium zu sein, immer schon – denn in gefühlt allen anderen Gärten entdecke ich Schneeglöckchen und sogar Weidenkätzchen. Bei uns kommt gar nix…

Ich biege ab. Die Sonne spiegelt sich in den Pfützen und blendet mich, als ich den kleinen Weg zur Hauptstraße hindurch gehe.

Morgens In der U-Bahn zu schreiben ist anderes, das merke ich schnell: ich bin abgelenkter, schaue zwischendurch aus dem Fenster oder blicke neue Mitreisende an. Oh, einmal die Tasche wegnehmen bitte! Ja, gerne.

Das Schreiben gleich nach dem Aufstehen hat eine andere Qualität. Alles ist noch ruhig. Der Tag hat noch nicht begonnen, auch wenn meine Gedanken schon warm laufen.

Trotzdem: auch die Zeit in der U-Bahn gehört mir. Da ich dreimal umsteige, ist sie allerdings etwas zerrissen. Aber ich kann selber entscheiden, ob ich döse, Zeitung lese oder (wie meist) das Mobiltelefon zücke. Ich-Zeit. Meist checke ich tatsächlich schon die Social Media Kanäle: die Fahrt zur Arbeit ist also eigentlich schon der Beginn der Arbeit.

Gleich muss ich umsteigen. Ich freue mich über das Wetter, und auf heute Abend, da habe ich etwas Nettes vor! Eine gute Motivation für den restlichen Tag eigentlich. Spannend, wie unterschiedlich ich Morgende wahrnehme. Mal bin ich müde, vielleicht noch unlustig oder gernervt. Dazu Nieselregen (wie gestern!). An Tagen wie heute lässt mich die Sonne schon auf positivbe Gedanken kommen, ich bin motivierter und fröhlicher.

So, die Bahn bremst, ich muss weiter… Einen schönen Tag für euch!

Frühaufstehertexte: Routine

blau | schokotexte.de

 

Ob sich schon eine Routine entwickelt? Ich lag eben schon wieder eine halbe Stunde wach, bevor ich mich aus dem Bett schälte. Dieses Rumliegen zwischen Einschlafen und Kopfkino führt natürlich zu nix, aber gleichzeitig finde ich den Schritt „aus dem Bett“, um in den Tag zu starten, unglaublich schwer. Immer schon.

Aber heute habe ich Tee. Zwar den Rest von gestern Abend, aber mit meiner guten Thermoskanne kein Problem, er ist noch warm. Auch mein warmer Pulli liegt jetzt morgens bereit. Wenn ich allerdings in mich hineinfühle, habe ich die Kopfschmerzen von gestern über die Nacht „gerettet“, was kein echter Erfolg ist. Zum Morgenglück fehlt eigenltich auch noch eine Runde Yoga…

Gestern habe ich mir überlegt, dass es ganz interessant wäre, wenn ich mir ein Thema für (je)den Tag suche. Keine Ahnung, ob das funktioniert – als Startversuch ploppte „BLAU“ in mein Gehirn. Das ist also das Motto für heute. Ich schaue mich um und entdecke natürlich ein paar blaue Dinge um mich herum: Die alten Tee- und Kaffeedosen, in denen meine Stifte lagern, haben ein schönes Blau im Muster. Der Kalender dort. Mein Schreibbuch. Ein paar Bücher und eine Pflasterpackung (was macht die überhaupt hier!?). Da ich heute jedenfalls viel vorhabe, finde ich bestimmt ein paar inspirierende blaue Motive.

Auch ja, und Routine: Ich las gestern, dass Routinen uns Sicherheit geben und Vertrauen. Und besonders religiöse Routinen, also auch z.B. Weihnachten, nicht aus ihrem Kontext gelöst werden dürfen, weil sie sonst sinnentleert sind und nur noch „Form“. Oder das Heiraten in einer Kirche nur noch das Setting für eine Hochzeit, nicht mehr seine Sinnstiftung.

Das kann ich nicht wirklich 1:1 auf mein frühes Aufstehen übertragen, aber ich finde den Gedankengang sehr spannend, einmal zu überlegen, welche Routinen im Leben vielleicht nur noch „Hüllen“ sind. Puh, das ist aber tiefgründig heute morgen!

Ganz langsam BLAU wird dagegen gerade der Himmel draußen. Ich bin gespannt auf diesen neuen Tag – und wünsche euch einen guten Start!

Frühaufstehertexte: Eulen

Sonne | schokotexte.de

Es muss zielich kalt sein heute Morgen, die Autos und Dächer sind vereist. Ich bin übrigens etwas stolz, dass ich es auch heute wieder an den Schreibtisch geschafft habe! Das war toll gestern: Ich habe diese halbe Stunde tatsächlich genossen, so früh es auch war!

Und irgendwie war ich den ganzen Tag „klarer“ und sehr energiegeladen. Nachmittags las ich mir meinen gestrigen Text noch einmal durch, und es kam mir vor, als hätte ich ihn bereits Tage zurvor geschrieben, nicht erst am selben Morgen…

Heute turnt der Kater die ganze Zeit in meinem Arm umher und kann sich nicht entscheiden, wie er liegen möchte. Geht’s vielleicht mal?

Der Nachbar fährt um diese Uhrzeit (mit dem Fahrrad!) los zur Arbeit, sehe ich gerade. Holla, Respekt. Gestern fiel mir ein, dass meine Mutter auch früher immer sehr früh aufstand, viertel vor sechs oder so. Erst die Kinder wecken, Frühstück machen, mit dem Hund rausgehen, wir inklusive meinem Vater frühstückten dann gemeinsam, alle gingen weg, und als letzte verließ sie ebenfalls das Haus. Als Kind findet man das irgendwie total normal. Heute habe ich davor riesigen Respekt…

Kann man dieses Frühaufstehen tatsächlich lernen? Wie ihr merkt, ist es für mich wirklich ein Thema 😉 – ich bin eine Eule. Neulich las ich allerdings, dass die wenigsten Menschen tatsächlich ausgeprägte Eulen oder Lerchen sind – allerdings zwingen uns ja der Job, die Schule oder die Familie auch zu anderen Zeiten aus den Federn. Ich genoss es jedenfalls schon als Kind, abends, wenn alle anderen im Bett waren, Zeit für mich zu haben und räumte dann z.B. gerne mal mein Zimmer um. Als Studentin lernte bzw. arbeitete ich bis nachts um zwei, das war einfach mein Rhythmus. Dann störte mich das Tagesgeschehen nicht mehr.

Der Kater ist jetzt zwar ruhig, aber der Wecker klingelt gerade, und die Dämmerung setzt ein. Ich werde meine Eulengedanken also mitnehmen und in den Tag hinaus tragen!

P.S.: Das Foto zeigt übrigens den wunderschönen Tagesstart gestern!